Masters of Desasters

„Weil sich von jetzt auf gleich alles ändern kann“ – Die Backend-Dirigenten im Fall der Fälle

Wenn ein Unfall das ganze Leben auf den Kopf stellt, ist schnelle Hilfe gefragt – und zwar punktgenau. Damit diese reibungslos und unbürokratisch vor Ort ankommt, muss jemand mit klarem Kopf die richtigen Hebel in Bewegung setzen. Dann kommen die Kollegen von der Einheit Unfallgroßschaden in Hamburg zum Einsatz und stehen wie Sandra Kenzler im Ernstfall zur Seite.

Ob Querschnittslähmung oder Fingerbruch, der die Arbeit für die Chirurgin oder den Goldschmied unmöglich macht – manche Unfälle hebeln das Leben gehörig aus den Fugen und plötzlich stehen Krankenhaus, Reha oder gar die Regelung von Berufsunfähigkeit und Langzeitpflege an. Damit sich die Betroffenen dann voll und ganz auf ihre Genesung konzentrieren können, ziehen Sandra Kenzler und ihre 23 Kollegen im Bereich Unfallgroßschaden der Generali im Hintergrund die Strippen und orchestrieren die komplexe Maschinerie aus medizinischen Gutachten, Zahlungsbewilligungen und dichtem Unterlagen-Dschungel.

Wann kommt Ihr beim Unfallgroßschaden zum Einsatz – bei schweren Unfällen und Massen-Karambolagen?
Wir schalten uns dann ein, wenn bei unseren Kunden der privaten Unfallversicherung bestimmte Körperteile oder Sinnesorgane so verletzt oder beeinträchtigt sind, dass sie nicht mehr oder nur stark eingeschränkt funktionieren – wenn jemand also durch einen Unfall schlechter sieht oder für eine bestimmte Zeit nicht mehr laufen kann. Je nach Ausmaß und Dauer der körperlichen Beeinträchtigung ergibt sich dann der sogenannte Invaliditätsgrad. Von einem Großschaden sprechen wir in der Versicherung bei einer Invalidität ab 8 Prozent. Das kann also bei einem Gitarristen der gebrochene kleine Finger oder beim Sound-Designer das beschädigte Gehör sein.

Was passiert dann in so einem Fall von „Großschaden“?
Wenn uns der Kunde, Makler oder Vermögensberater einen Großschaden melden, reservieren wir die entsprechende Invaliditätsleistung. Das heißt, wir legen das Geld für die notwendigen Maßnahmen oder Leistungen an, die der Betroffene in weiser Voraussicht damals beim Versicherungsabschluss versichert hat. Zum Beispiel für das Krankenhaus-Tage- oder Schmerzensgeld. Wir sorgen dafür, dass alle nötigen Unterlagen und medizinischen Gutachten akkurat vorliegen, um zu prüfen, wie lange diese Leistungen von uns erbracht werden können. Wenn alles passt, können wir die entsprechenden Zahlungen aktivieren. Schließlich geht es hier um die Gesundheit von Menschen und teilweise um sehr große Summen Geld. Da muss in den Unterlagen alles penibelst stimmen, damit alles schnell und reibungslos gehen kann.

Worauf kommt es bei Euch als Schaltzentrale im Unglücksfall an?
Weil es bei uns um Menschenleben geht, haben wir eine Null-Fehler-Toleranz. Hier brauchst Du einerseits fundiertes Fachwissen und gleichzeitig Empathie. Schließlich haben wir es teilweise mit echten Schicksalen zu tun. Und um da kompetent zu helfen, musst Du eine teils sehr unübersichtliche und komplexe Gemengelage aus medizinischen, versicherungstechnischen und rechtlichen Aspekten überblicken und entsprechend handeln. Das kann manchmal ganz schön turbulent werden. Aber wenn Du siehst, dass Du Deinem Kunden auch im Unglück helfen kannst, ist es ein umso schöneres Gefühl.

Wie bist Du zum Unfallgroßschaden gekommen?
Ich habe bei der Generali meine Ausbildung zur Kauffrau für Versicherungen & Finanzen gemacht und bin dann nach dem Kunden-Service-Center zum Vertrieb als rechte Hand des Vertriebsleiters gegangen. Dabei habe ich berufsbegleitend meinen Fachwirt für Versicherungen absolviert, bevor ich vor 2 Jahren die Chance bekam, mich in der Einheit Großschaden weiterzuentwickeln.

Inwiefern zahlt sich bei Deinem jetzigen Job Deine Ausbildung aus?
Die Ausbildung hier in der Generali Hamburg war echt gut und wahnsinnig abwechslungsreich! Damals haben wir alle Abteilungen der Leben- und Sachversicherung und die Fachbereiche durchlaufen. Somit konnten wir ein umfassendes Panorama-Wissen und gleichzeitig auch sehr spezielle Einblicke bekommen. Nach der Ausbildung wusstest Du dann genau, welche Bereiche wie ticken und worauf es da ankommt. So kannst Du für Dich viel besser entscheiden, wohin Du gehen willst. Und außerdem lernst Du bei der Ausbildungs-Tour unheimlich viele Menschen kennen, was später im Job leichter Türen öffnet, aber auch die Auswahl beim Lunch-Date erschwert 😉

Das heißt, Du würdest Schülern zu einer Ausbildung raten?
Ich würde definitiv auch heute wieder eine Ausbildung machen. Über diesen Weg stehst Du schon früh im richtigen Berufsleben und reifst noch einmal anders. Ein Studium rennt nicht weg und mit den flexiblen Modellen kann man das ja dann starten, wenn man weiß, wohin man wirklich will und wo die eigenen Stärken liegen.

Und wohin geht es bei Dir als nächstes?
Mein nächstes Ziel ist der Bachelor-Abschluss diesen Sommer. Berufsbegleitend studiere ich BWL und Wirtschaftspsychologie. Wie es dann in der Generali weitergeht, werde ich sehen. Ich habe mich für die zweite Runde des Women Mentoring Programm beworben. Mal schauen. Ansonsten hat sicherlich auch mein Pate einen guten Tipp. Hier in Hamburg gibt es nämlich dieses tolle Programm, bei dem jüngere und ältere Kollegen sich in Tandems austauschen. Das bringt mich persönlich unheimlich weiter, weil mein Pate über ein Fachwissen verfügt, das in keine Bibliothek passt.

Du willst auch Deine Karriere bei Generali starten? Alle Ausbildungs- und Studiengänge findest Du hier, alle freien Stellen in der Generali Jobbörse.

Text: Susanne Gehrke
Foto: Stephan Weiß