Das ganze Unternehmen in einer Software – Aktuar und Führungskraft Dr. Zoran Nikolic über den Job als Modellierer

Zoran NikolicDr. Zoran Nikolic ist Gruppenleiter der Gruppe „Modellierung“ in unserer Abteilung Enterprise Risk Management. Da er sich auch in unseren Hochschul-Kooperationen engagiert, konnte ich im Rahmen der Vorbereitung einer Veranstaltung spannende Einblicke in sein Tätigkeitsfeld bekommen. Dass er Spaß an der Arbeit hat, sieht man seinen leuchtenden Augen an, wenn er über sein Themengebiet spricht. Für den Blog habe ich ihn befragt, wie seine Arbeit konkret aussieht und was ihm so daran gefällt.

Herr Nikolic, vielleicht kurz zu Ihrem Hintergrund: Was haben sie studiert, und wo?
Ich habe theoretische Mathematik in Belgrad und Göttingen studiert. Nach meinem Studium habe ich dann berufsbegleitend die Aktuarsausbildung gemacht.

Sie sind Gruppenleiter in der Abteilung Enterprise Risk Management. Welche Aufgaben haben Sie und Ihre Mitarbeiter?
Unsere Kernaufgabe ist die Entwicklung stochastischer Unternehmensmodelle und die Abbildung dieser Modelle in einer Software. Auf Grundlage dieser Modelle wird die Höhe des vorzuhaltenden Risikokapitals bei Auftreten bestimmter Ereignisse vorhergesagt, z.B. bei einem Zinsanstieg.

Wenn wir eine Umsetzung abgeschlossen haben, kommt eine neue Anforderung, für die wir dann nach einer Lösung suchen. Unsere Gruppe entwickelt damit stets etwas Neues, wir betreten häufig Neuland. Die Ergebnisse der Berechnungen auf Grundlage dieser Modelle sind eine wichtige Grundlage für unternehmerische Entscheidungen.

Besonders stolz können wir darauf sein, dass wir maßgeblich zur Entwicklung eines Modells beigetragen haben, das jetzt auch von anderen Unternehmen in unserer weltweiten Gruppe genutzt wird. (Anm. d. Red. : Das LSCM-Modell )

Aktuell bereiten wir uns auf die BaFin-Prüfung vor, die unsere Modelle zertifiziert.

Zu welchen Unternehmensbereichen haben Sie Schnittstellen?
Mit den Kollegen aus der Nachbargruppe „Berechnung“ haben wir eine enge Schnittstelle, denn diese rechnen dann tatsächlich mit dem Modell, welches wir in unserer Software entwickelt haben. Mit den Aktuariaten in den Konzernunternehmen stehen wir ebenfalls im Austausch. Und dann haben wir natürlich intensiven Kontakt zum Head Office in Italien. Wir sind sehr aktiv im internationalen Solvency-II-Projekt, zusammen mit unseren italienischen Kollegen entwickeln wir die Methodik zur Umsetzung dieser wichtigen regulatorischen Anforderung.

Wenn man Ihnen zuhört merkt man, dass Sie mit Leidenschaft dabei sind. Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit besonders Spaß?
Meine Tätigkeit ist von großer Abwechslung geprägt! Wir haben keine Linienaufgaben sondern arbeiten sehr projekthaft. Daher beschäftigen wir uns immer wieder mit neuen Themen. Besonders viel Spaß macht mir der anspruchsvolle fachliche Austausch mit meinen Kollegen und Mitarbeitern. Alle sind sehr motiviert und haben intensives Interesse an ihren Fachgebieten.

Und mit welchen Herausforderungen sind Sie in Ihrem Alltag konfrontiert?
Als Modellierer (lebt man immer mit einer Restunsicherheit: wird alles so funktionieren, wie man es sich vorstellt? Das Modell wird immer komplexer, haben wir wirklich an alle Zwischenabhängigkeiten gedacht? Eine Herausforderung ist es sicher auch, unseren Anspruch an eine hohe Qualität der Ergebnisse und die eng gesteckten Deadlines miteinander zu vereinen.

Was sollte, neben fachlichem Know-How, ein Mitarbeiter in Ihrer Gruppe mitbringen, damit die Arbeit Spaß macht?
Auf jeden Fall Freude daran, sich intensiv mit hochkomplexen Aufgaben auseinanderzusetzen und großes Interesse, sich schnell in neue Fragestellungen einzudenken. Wichtig ist es auch, sich bei aller Komplexität der Aufgaben trotzdem flexibel in einem hoch dynamischen Umfeld bewegen zu können.

Und zum Schluss: Was machen Sie, wenn Sie sich nicht mit der Mathematik auseinandersetzen?
Lesen und Filme anschauen, zuletzt am liebsten die Arthouse-Filme in schwarz-weiß!

Herr Nikolic, herzlichen Dank für das Gespräch!

 

Übrigens: Sie können Herrn Dr. Nikolic auch persönlich kennenlernen!

Am 12.11.2014 erklärt er am mathematischen Institut der Uni Köln zusammen mit dem Kollegen Dr. Christian Weiß den Sinn und Zweck stochastischer Unternehmensmodelle im Industriekolloquium von Prof. Schmidli 

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