„Nicht was man ist, sondern wer man ist!“

Was bewegt und motiviert eigentlich einen Vorstand?
Wir haben mal nachgefragt bei Frau Dr. Sebold Bender, Vorstand bei den Generali Versicherungen und Mitglied der Geschäftsführung der Generali Deutschland Schadenmanagement. Im Interview spricht sie über ihren Karriereweg, welche Eigenschaften Führungskräfte mitbringen müssen und wie sie Berufliches und Privates in Balance hält.

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Vorstand Dr. Monika Sebold-Bender

Frau Dr. Sebold-Bender, Sie haben die Versicherungsbranche aus ganz unterschiedlichen Perspektiven kennengelernt. Wie wichtig war Veränderung für Ihren Werdegang und Ihre persönliche Entwicklung?  
Veränderungen bringen einen dazu, die eigene Komfortzone zu verlassen, sich zu hinterfragen, Neues auszuprobieren und sich kontinuierlich weiterzuentwickeln. So war ich bei der Provinzial und auch bei Axa schließlich in einer Position, in der Routine eingekehrt war. Da habe ich gemerkt, wie sehr ich neue Herausforderungen brauche, auch weil ich mich sehr stark über Aufgaben definiere. Aufbauen, verändern, gestalten – das ist es, was mich interessiert

Wie reagieren Sie, wenn es einmal nicht so gut läuft und Sie durchgreifen müssen?
Meine Motivation, auch unangenehme Entscheidungen zu treffen, ist die Verantwortung für die über 3.000 Menschen, die hier ihr Auskommen haben. Da kann ich mich nicht dezent zurücklehnen. Ich muss das Ganze sehen und die Generali als Ganzes voranbringen, um auf Dauer in einem so dynamischen Markt bestehen zu können. Dazu gehören auch unpopuläre Entscheidungen. Dabei bewährt es sich, Erwartungen klar zu formulieren und verlässliche Aussagen zu treffen. In der Vergangenheit haben die Strukturen Sicherheit gegeben. Ich bin mir sicher, in Zukunft sind es Beziehungen, die Sicherheit geben. Deshalb ist Vertrauen in Veränderungsprozessen so wichtig.

Apropos Offenheit – bekommen Sie als Vorstand eigentlich noch ehrliches Feedback?
Es ist schon schwierig. Man muss es einfordern. Inhaltliches Feedback kommt, wenn man oft genug fragt, aber relativ zügig. Wir haben unglaublich motivierte Mitarbeiter, die das Unternehmen voranbringen wollen. Für mich ist ihr Feedback sehr wichtig. Als Führungskraft ist man ja weder ein besserer Mensch noch allwissend, sondern hat lediglich eine andere Rolle.

Die Generali Deutschland Gruppe strebt ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis auf allen Ebenen bis zum Top-Management an – wie haben Sie im Laufe Ihrer Karriere die sogenannte „gläserne Decke“ durchstoßen?
Mir wurde es einmal direkt gesagt, man hätte Sorge, dass ich als Frau mich gegenüber den Männern nicht durchsetzen könnte. Diese Erfahrung, glaube ich, haben viele Frauen schon gemacht. Man muss dennoch bei sich selbst bleiben, auf sich selbst und die eigenen Fähigkeiten vertrauen. Dass Frauen in deutschen Unternehmen nicht so häufig in Führungspositionen vertreten sind, liegt auch daran, dass die Auswahlmechanismen eben beispielsweise eher über Netzwerke laufen und weniger auf dem reinen Leistungsaspekt beruhen. Würde rein nach Leistung entschieden, bräuchten wir keine Frauenquote und wir hätten deutlich mehr Frauen in Führungspositionen. Eine Gesellschaft, deren Auswahlmechanismen stärker nach Leistung gehen und weniger danach, wer mit wem kann, wird auch Gesellschaftsgruppen wie etwa Menschen mit Migrationshintergrund einen schnelleren Weg möglich machen. All diese haben einen Vorteil, wenn solche Mechanismen aufgebrochen werden.

Was raten Sie jungen Menschen, die eine Führungskarriere anstreben?
Sie müssen Interesse an Menschen haben und nicht an den berühmten „Streifen“. Man wird scheitern, wenn man nicht bereit ist, Position zu beziehen. Und man wird scheitern, wenn man nicht bereit ist, sich auch einmal unbeliebt zu machen. Man benötigt eine Botschaft, mit der man Menschen mitnehmen will. Und diese Menschen muss man wertschätzen. Ich glaube, anders wird man in Zukunft als Führungskraft nicht mehr bestehen können. Die Zeiten der Direktive sind vorbei

Sie sind schon viele Jahre Führungskraft, wie gelingt es Ihnen persönlich, Berufliches und Privates in Balance zu halten?
Ich glaube, dass es wichtig ist, dass man belastbare Beziehungen hat. Ich habe das unglaubliche Glück, glücklich verheiratet zu sein und einen – inzwischen erwachsenen – Sohn zu haben. Ich habe ein familiäres und soziales Netzwerk, wo es eben nicht darum geht, was man ist, sondern wer man ist! Das hilft natürlich unglaublich, diese Sicherheit, dass meine Freunde und meine Familie mich als Person schätzen. Für die bin ich schlichtweg Monika und nicht Vorstand oder sonst etwas.

Frau Dr. Sebold-Bender, vielen Dank für das Gespräch!

 

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Vorstand Dr. Monika Sebold-Bender

Steckbrief

Name: Monika Sebold-Bender

Alter: 50

Aktuelles Konzernunternehmen und Funktion: Vorstand für Komposit und Schaden bei den Generali Versicherungen & Mitglied in der Geschäftsführung der Generali Deutschland Schadenmanagement

Ihre typischen Aufgaben als Vorstand der Generali Versicherungen:
u.a.:
•    Diskussion mit meinen Führungskräften zu versicherungstechnischen, prozessualen und Führungsaufgaben, gemeinsame Entwicklung von Maßnahmen und das Monitoring von deren Umsetzung im  Jour Fix, themenbezogenen Meetings, Lenkungsausschüsse und persönliche Rücksprachen
•    Projektsteuerung und Koordination der unterschiedlichen Maßnahmen zur Verbesserung der Kundenbindung
•    Vorstands-, Geschäftsführungs-, Aufsichtsratssitzungen
•    Vertretung der Generali in Gremien des GDV (Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft)

Studium/Ausbildung/Abschluss: Diplom-Statistik mit Nebenfach Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaften/ Promotion in Volkswirtschaftslehre / Aktuar (DAV)

Ein Mensch, den ich bewundere: Meinen Vater, er glaubte an das Gute im Menschen und wertschätzte jeden unabhängig von sozialer Stellung, beruflichem Erfolg, Nationalität…
In meiner Freizeit sind mir wichtig: Familie, Lesen, Skifahren, Kunst und Kultur

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