Theorie und Praxis: Vom Geisteswissenschaftler zum Controller

Ein Interview mit Martin Reckenthäler, Leiter strategische Planung bei der AachenMünchener Versicherung.

Reckenthaeler-107Wer arbeitet eigentlich bei einer Versicherung? Diese Frage hört man im privaten und beruflichen Kontext immer wieder. Was viele überrascht: Nicht nur für Mathematiker oder Wirtschaftswissenschaftler ist das Berufsfeld interessant. Auch Quereinsteigern mit einem geistes- oder sozialwissenschaftlichen Hintergrund bieten sich in der nationalen und internationalen Generali Gruppe vielfältige Entwicklungschancen. Über Hospitationen, Rotationen und unternehmensübergreifende Entwicklungsprogramme wird die Möglichkeit gefördert, sich fachlich weiterzuentwickeln um so verantwortungsvolle Aufgaben in unterschiedlichen Unternehmensumfeldern wahrnehmen zu können.

Klingt in der Theorie ja schon mal gut. Aber wie sieht das in der Praxis aus?

Martin Reckenthäler (40) hat Politik- und Kommunikationswissenschaften studiert. Seit 2011 ist er Leiter der strategischen Planung bei der AachenMünchener Versicherung und erklärt uns im Interview, dass auch ein Geisteswissenschaftler ein guter Controller sein kann.

Herr Reckenthäler, was macht einen guten Controller aus?

Martin Reckenthäler: Im Controlling benötigt man neben den fachlichen Grundlagen und Kenntnissen auch Spaß an der Arbeit mit Zahlen und vor allem ein großes Interesse, Sachverhalte ständig neu zu hinterfragen. Weil sich im Controlling die Problemstellungen schnell ändern, muss man außerdem die Bereitschaft mitbringen, sich immer wieder in neue Fragen einzudenken. Während sich beispielsweise in einem Moment noch alles um das Thema Kostendruck dreht, kann im nächsten Moment schon die Entwicklung der Kapitalmärkte im Fokus stehen.

War Controller schon immer Ihr Berufswunsch?

Ich habe mich wegen der wissenschaftlichen Inhalte für mein Studium entschieden, Vorstellungen über mögliche Berufsfelder haben sich erst im Laufe des Studiums entwickelt. Ich kann nur allen Schulabgängern raten, die Fächer zu studieren, die sie wirklich interessieren. Das garantiert mehr beruflichen Erfolg und persönliche Zufriedenheit als vermeintlich berufssichere Studiengänge.

Generali Deutschland Karriereblog: Neben dem Controlling haben Sie bei der Generali Deutschland Services vor allem betriebsorganisatorische Aufgaben übernommen und in der Generali Deutschland Holding im Bereich Konzernentwicklung gearbeitet. Wie haben Sie sich Ihr Fachwissen in diesen vielfältigen Aufgabenfeldern erarbeitet?

Sehr unterschiedliche Themen zusammenzubringen, habe ich in meinem Studium der Politik- und Kommunikationswissenschaften gelernt, das sehr auf das selbstständige Erarbeiten von Lösungswegen für Problemstellungen setzt. Als Controller sollte man natürlich auch die quantitative beziehungsweise mathematische Seite des Jobs mögen. Da passt es gut, dass Statistik fest zum Studium der Politikwissenschaften gehört. Auf die Grundlagen, die ich mir im Studium und im Arbeitsalltag angeeignet habe, baue ich mit regelmäßigen Weiterbildungen auf. Und das Prinzip Learning by Doing spielt in allen Bereichen eine große Rolle. Gerade deshalb halte ich die Bereitschaft zum Wechsel zwischen den einzelnen Konzernunternehmen, aber auch innerhalb eines Unternehmens für ganz wichtig – so kann man den Blick für die verschiedenen Facetten des Versicherungsgeschäfts schärfen und das eigene Know-how erweitern und „auf breitere Füße stellen“.

Was war Ihr Einstieg in die Versicherungsbranche?

Ich habe 2002 in der Unternehmensentwicklung bei einem Rechtsschutzversicherer angefangen. 2006 bin ich dann als Referent in die Konzernentwicklung der Generali Deutschland Holding gewechselt.

Waren Sie mit Ihrem Studienhintergrund ein Paradiesvogel?

Das dachte ich zuerst, aber mit der Zeit habe ich festgestellt, dass sich in der Versicherungsbranche mehr Geistes- und Sozialwissenschaftler tummeln, als man häufig denkt.

Sie würden also Politik- und Kommunikationswissenschaftlern die Versicherungsbranche als Tätigkeitsfeld empfehlen?

Ja, sicher. Durch ihr Studium sind sie breit aufgestellt, können interessante Impulse liefern und über den Tellerrand hinausschauen – eine in der Versicherungsbranche notwendige Kompetenz. Das Grundprinzip der Versicherung, das Solidaritätsprinzip, ist ohnehin ein sozialwissenschaftliches Thema und das Geschäftsmodell der Versicherung deutlich vielfältiger als den meisten Studienabgängern bekannt. Beispiel Altersvorsorge: Ein Thema mit enormer gesellschaftspolitischer Bedeutung.In diesem Bereich kann sich die Branche meiner Meinung nach noch deutlich  positiver exponieren.

Seit 2011 sind Sie Abteilungsleiter der Strategischen Planung bei der AachenMünchener. Was gehört zu Ihren Aufgaben?

Ich unterstütze den Vorstand unter anderem bei der Weiterentwicklung der Unternehmensstrategie. Hier ist ein Ziel die Stärkung der Ertragskraft. Ich fertige Struktur- und Kostenanalysen an, ziehe Konsequenzen aus der Wettbewerbs- und Marktentwicklung, arbeite mit an der Optimierung der Kundenbindung. Ein besonders interessanter Bereich meines Jobs ist die Zusammenarbeit mit unserem Vertriebspartner. Daneben begleiten oder leiten wir mit unserer Abteilung eine Vielzahl von Projekten, sowohl innerhalb der AachenMünchener als auch im Konzern. Das macht die Tätigkeit sehr abwechslungsreich.

Herr Reckenthäler, vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg und Spaß bei Ihrer Tätigkeit!

 

Reckenthaeler-117STECKBRIEF

Name: Martin Reckenthäler

Alter: 40

In der Generali Deutschland Gruppe seit: 2006

Aktuelles Konzernunternehmen und Funktion: AachenMünchener, Leiter strategische Planung (seit 2011)

Typische Aufgaben in der strategischen Planung: Unter anderem Unterstützung des Vorstands bei der Weiterentwicklung der Unternehmensstrategie, Struktur- und Kostenanalysen, Optimierung der Kundenbindung, Projektsteuerung in der AachenMünchener und im Konzern, Ableitung von Maßnahmen aus der Wettbewerbs- und Marktentwicklung, Zusammenarbeit mit dem Vertriebspartner DVAG.

Weitere berufliche Stationen und Entwicklung: Konzernentwicklung- und Controlling bei der Generali Deutschland Holding, Betriebsorganisation und Projektmanagement bei der Generali Services, Unternehmensentwicklung bei einem Rechtsschutzversicherer

Studium/Ausbildung/Abschluss: Politik- und Kommunikationswissenschaften

Ein Mensch, den ich bewundere: Meinen Sohn (1,5), weil er so herrlich offen und unvoreingenommen an neue Herausforderungen herangeht

In meiner Freizeit: …vereise ich gerne und lasse mich durch neue Eindrücke inspirieren.

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