Meisterfeier: Deutschlands Mathe-Asse zu Gast bei der Generali

 

Die Preisträger des  Bundeswettbewerbs Mathematik 2014

Die Preisträger des Bundeswettbewerbs Mathematik 2014

Eigenständige Lösungswege statt vorgefertigter Rechenschablonen, dafür steht seit Jahrzehnten der Bundeswettbewerb Mathematik. Die Generali Deutschland Holding unterstützt die Förderung junger naturwissenschaftlicher Talente im Rahmen des Wettbewerbs und hat wie bereits in den Vorjahren am 23. April 2015 die jährliche feierliche Preisverleihung ausgerichtet. Melanie Harmuth, Referentin in der externen Unternehmenskommunikation, organisierte die letzten vier Preisverleihungen und konnte mir ein bisschen mehr über die Hintergründe erzählen.

Frau Harmuth, was ist der Hintergrund des Bundeswettbewerbs Mathematik?
Der jährliche Wettbewerb wurde 1970 vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft ins Leben gerufen und wird ausgerichtet von der Bildung & Begabung. Die Kandidaten lösen in zwei schriftlichen Runden sehr anspruchsvolle Mathe-Aufgaben und müssen sich in einer dritten, mündlichen Runde mathematischen Fachgesprächen stellen. Im ganzen Prozess ist nicht das Nachrechnen vorgefertigter Lösungswege gefragt, sondern vielmehr Kreativität im Finden und Beschreiten möglicher Lösungsansätze. Am Bundeswettbewerb Mathematik 2014 haben mehr als 1200 Schülerinnen und Schüler aus ganz Deutschland teilgenommen. 15 Bundessieger gab es diesmal, 14 Jungen und ein Mädchen. Die erstmaligen Gewinner werden mit Beginn eines Studiums in die Studienstiftung des deutschen Volkes aufgenommen und können in den Sommerferien am Max-Planck-Institut für Mathematik in Bonn mit nationalen und internationalen Spitzenmathematikern forschen. Die mehrfachen Gewinner bekommen Geldpreise vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Melanie Harmuth

Melanie Harmuth

Wie ist die Preisverleihung abgelaufen?
Als Hauptsponsor des Bundeswettbewerbs seit 2009 und Gastgeber der jährlichen Preisverleihung haben wir nun zum sechsten Mal die immer wieder abwechslungsreiche, unterhaltsame und festliche Veranstaltung ausgerichtet. Die promovierte Mathematikerin Dr. Nora Gürtler, Abteilungsleiterin Enterprise Risk Management und Chief Risk Officer, repräsentierte dieses Jahr die Generali als Gastgeber und übernahm die Begrüßung, in der sie sich „als ehemalige Studienstiftlerin“ direkt mit den Gewinnern solidarisierte. Neben der eigentlichen Preisverleihung gab es interessante Podiumsdiskussionen, auch mit den Jugendlichen, und einen mathematischen Festvortrag. Diesen Fachvorträgen konnte ich als Nicht-Mathematikerin immer nur sehr schwer folgen, aber die Preisträger haben jedes Jahr wieder konzentriert mitgerechnet und mitgedacht, das sah man den jungen Gesichtern immer an. Dieses Jahr haben wir uns darüber gefreut, dass auch NRW- Bildungsministerin Sylvia Löhrmann an der Veranstaltung teilgenommen und die Leistungen der Gewinner gewürdigt hat.


Warum ist die Förderung junger Mathematik-Talente so wichtig?
Die Teilnehmer der Gewinner-Talkrunde – dieses Jahr hat der Moderator mit den vier dreimaligen Bundessiegern gesprochen – haben deutlich gemacht, dass sie sich im schulischen Matheunterricht nur unzureichend gefordert und gefördert fühlen. Es ist also wichtig, naturwissenschaftlich begabten jungen Menschen auch außerhalb der Schule die Möglichkeit zu bieten, ihre Begeisterung für Mathematik auszuleben. Und genau da setzt der Bundeswettbewerb ja an, deshalb ist er vermutlich auch seit Jahrzehnten so erfolgreich.

Bei der diesjährigen Feier betonten gegenüber den Preisträgern sowohl Konzern-Risikomanagerin Dr. Nora Gürtler als auch NRW-Bildungsministerin Sylvia Löhrmann, wie wichtig und sinnvoll es ist, die Begabung für Mathematik ernst zu nehmen, auch zukünftig zu nutzen und für den weiteren Bildungs- und Lebensweg als entscheidend einzuordnen.

Besteht denn weiterhin ein Fachkräftemangel in den MINT-Fächern?
Das war eines der hauptsächlich diskutierten Themen in der Podiumsrunde, an der neben Frau Dr. Gürtler und der Ministerin auch die Geschäftsführerin von Bildung & Begabung, Dr. Elke Völmicke, und Prof. Dr. Andreas Schlüter als Vertreter des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft teilgenommen haben. Aktuelle Studien ergeben zu dieser Frage kein einheitliches Bild; Besetzungs-Probleme in den MINT-Fächern, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, werden teils bestätigt, teils widerlegt. Aus der Podiumsdiskussion ging jedoch hervor, dass es nach wie vor schwierig ist, in bestimmten Umfeldern Stellen qualifiziert besetzen zu können. Vor allem Mädchen gilt es stärker darin zu unterstützen, ihre mathematisch-naturwissenschaftlichen Neigungen auszuleben und diesen in ihrer Ausbildung auch zu folgen. Ministerin Löhrmann stellte hierzu fest, dass es naturwissenschaftlich begabten Mädchen oft an gesellschaftlicher Bestätigung und an Vorbildern mangele. Immerhin kann man es in diesem Zusammenhang doch als Erfolg werten, dass der Bundeswettbewerb Mathematik 2014 erstmals die Mädchen-Teilnahmequote von 30 Prozent knackte.

Welche Möglichkeiten bieten sich Mathematikern bei der Generali in Deutschland?
Hier kann ich Frau Dr. Gürtler zitieren, die im Podium sagte, dass Mathematik unser Kerngeschäft sei, weil eine vernünftige versicherungstechnische Kalkulation auf Mathematik basiere. Sie selbst ist ein gutes Beispiel für einen erfolgreichen Berufsweg, sie ist als promovierte Mathematikerin Abteilungsleiterin. Unser Aufsichtsratsvorsitzender Dietmar Meister ist ebenfalls Mathematiker, ebenso unser neuer Vorstand Dr. Rainer Sommer. Für Mathe-Absolventen und -Absolventinnen bieten sich zahlreiche Einsatzmöglichkeiten, etwa im bereits erwähnten Risikomanagement, in der Produktentwicklung, in den Aktuariaten oder im Controlling.

Das klingt vielversprechend! Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben.